Alle Medikamente auf einen Blick: dafür sorgt die neue Funktion der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA), die ab Jänner 2018 in Vorarlberg als erstem Bundesland flächendeckend startet. Von Vertragsärztinnen und -ärzten verordnete und in der Apotheke ausgegebene Medikamente werden dabei als so genannte e-Medikationsliste für ein Jahr gespeichert. Dann werden die Daten automatisch gelöscht.Zudem ist es möglich, nicht rezeptpflichtige, aber wechselwirkungsrelevante Arzneimittel ebenfalls in die Liste aufzunehmen. Behandelnde Ärztinnen/Ärzte bzw. die Apothekerin/der Apotheker sehen auf einen Blick – beim Stecken der e-card -, welche Medikamente Patientinnen und Patienten verordnet wurden bzw. welche in der Apotheke abgegeben wurden. Bei der Verschreibung bzw. Ausgabe eines neuen Präparats kann dann darauf Rücksicht genommen werden.

Mangelnde Informationen über den Medikamentenstatus von Patientinnen und Patienten können zu Mehrfachverordnungen, unerwünschten Wechselwirkungen durch die Inhaltsstoffe oder zu einer Überdosierung der Wirkstoffe führen. Vor allem für ältere Menschen und solche, die an Mehrfacherkrankungen leiden, ist das eine Gefahrenquelle, die mit der e-Medikation deutlich reduziert werden kann.

Aber auch junge Menschen oder Kinder können von Arzneimittelwirkungen betroffen sein. Das ist möglich durch die Einnahme von Erkältungsmitteln, Schmerzmittel oder auch nur Hustensaft. Die Teilnahme an der e-Medikation macht also für alle durchaus Sinn.

„Wir sind stolz darauf, dass es uns gemeinsam mit unseren Partnern gelungen ist, dieses Projekt auf Schiene zu bringen und im Gesundheitsbereich einmal mehr eine führende Rolle zu spielen“, drückt VGKK-Obmann Manfred Brunner seine Zufriedenheit aus. „Für unsere Versicherten bzw. die Patientinnen und Patienten wird damit die Sicherheit bei der Einnahme von Arzneien deutlich erhöht. Gleichzeitig versetzen wir mit der e-Medikation die Ärztinnen und Ärzte sowie die Apothekerinnen und Apotheker in die Lage, sich sofort einen aktuellen Überblick über die verordneten Medikamente zu verschaffen.“

„Die Sozialversicherung hat sehr lange für diesen Moment gearbeitet, weil wir wissen, welchen gewaltigen Entwicklungssprung unser Gesundheitssystem damit in Richtung Patientensicherheit machen kann“, führt Dr. Alexander Biach, Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger aus. „Umso mehr freuen wir uns, dass die e-Medikation nun endlich schrittweise für unsere Versicherten in den Arztordinationen und Apotheken zum Einsatz kommt und auch spürbar wird.  Denn unerwünschte Wechselwirkungen von Medikamenten sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Patientinnen und Patienten. Wir wissen, dass drei Arzneimittel gemeinsam eingenommen - statistisch gesehen - bereits drei Wechselwirkungen auslösen. Fünf Arzneimittel hingegen lösen bereits zehn Wechselwirkungen aus.“ (Quelle: Univ. Prof. Dr. Ekkehard Beubler).

Mit der e-Medikation werden in der sogenannten „e-Medikationsliste“ alle verordneten und abgegebenen Medikamente gespeichert. Und zwar nicht nur rezeptpflichtige Arzneimittel, sondern auch wechselwirkungsrelevante rezeptfreie Arzneimittel. Ärztinnen und Ärzte können auf die e-Medikationsliste ihrer Patienten zugreifen und sehen sofort, was andere Ärztinnen und Ärzte bereits verordnet und welche Medikamente sich die Patientinnen und Patienten in der Apotheke abgeholt haben. Apothekerinnen und Apotheker können, ebenfalls auf die e-Medikationsliste zugreifen und so eine bessere Beratung beim zusätzlichen Kauf von rezeptfreien Medikamenten anbieten. Eine ganz wichtige Neuerung für die Patientinnen und Patienten ist dabei, dass dafür in der Apotheke die e-card gesteckt wird. Nur dann können rezeptfreie Medikamente in der e-Medikationsliste gespeichert werden.

Vorteile für die Patientinnen und Patienten

- Risiko von Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen wird reduziert
- Sicherheit zur richtigen Einnahme der Präparate
- Aktueller Überblick über verordnete Medikamente durch Einsichtnahme in die eigene Medikationsliste über das ELGA-Portal

Vorteile für Ärztinnen/Ärzte  und Apotheken

- Verbesserung der Datenqualität durch Standardisierung der Medikationsdaten
- Qualitätssteigerung der Therapie
- Verordnungsentscheidung aufgrund gesamtheitlicher Informationsbasis
- Hilfestellung zur Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen
- Optimierung des Zusammenspiels im Medikationsprozess
- Vermeidung von Übertragungsfehlern (z. B. durch Abschreiben)
- Information steht zeitnah zur Verfügung

 

Wie funktioniert e-Medikation?

Niedergelassene Vertragsärztinnen und -ärzte in Vorarlberg sind ab 1. Februar 2018 verpflichtet, verordnete Medikamente in der e-Medikation zu speichern. Besteht zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient ein aufrechtes Behandlungsverhältnis und hat die Patientin/der Patient sich nicht aktiv von ELGA abgemeldet, kann die Ärztin/der Arzt die e-Medikationsliste der Patientin/des Patienten einsehen und neue Verordnungen auf unerwünschte Wechselwirkungen prüfen. Diese neuen Präparate werden in der e-Medikation gespeichert und die Patientin/der Patient erhält ein Rezept mit dem entsprechenden Code.

Durch das Scannen dieses Codes in der Apotheke kann diese die Abgabe der Medikamente in der e-Medikation ihrer Kundinnen und Kunden speichern. Wird die e-card der Patientin/des Patienten in der Apotheke gesteckt, können die gesamte e-Medikationsliste eingesehen und rezeptfreie Medikamente eingetragen werden. 

„Wir begrüßen die Einführung der e-medikation, zumal sie viele Vorteile für die Patientinnen und Patienten aber auch für die verordnenden Ärztinnen und Ärzte mit sich bringt. Gemeinsam mit der Vorarlberger Gebietskrankenkasse ist es uns gelungen, einmal mehr auch in diesem Bereich österreichweit Vorreiter zu sein. Anhand der gemeinsamen konstruktiven Umsetzung dieses Projektes zeigt sich die große Innovationskraft von regionalen Krankenkassen und die Wichtigkeit, diese beizubehalten“, so Präsident MR Dr. Michael Jonas, der damit den Zentralisierungsplänen der schwarz-blauen Bundesregierung einmal mehr eine klare Absage erteilt. Mit nur einer Gebietskrankenkasse für ganz Österreich müssten die Vorarlberger Patientinnen und Patienten wohl noch lange Zeit darauf warten, dass sie von den Vorteilen der e-medikation profitieren könnten, so der Ärztekammerpräsident abschließend.

Nachstehend finden Sie Erklärungsvideos zur eMedikation sowie ein Formular, mit dem die Zugriffsdauer für Ärztinnen & Ärzte und Krankenhäuser auf ELGA-Gesundheitsdaten verkürzt oder verlängert werden kann.

 

 

 

Quelle:aekvbg